Chiang Mai: Es waren Menschen in der Stadt

Halloween auf dem Teller (Foto Kesorn Chaisan)

So voll war Chiang Mai seit dem Lockdown im März nicht mehr. Getrieben von der Sehnsucht nach etwas Normalität, strömten die Menschen am Wochenende in die Stadt. Wenige Touristen, vor allem Thais. Es galt, Traditionen zu ehren und zu feiern, wenn auch nur im Schmalspurformat: Das Lichterfest Loi Krathong (ohne Parade) und das Laternenfest Yi Peng (kaum Ballons am Himmel).

Am River Ping setzten vergleichsweise wenige Menschen ihre Krathongs (Gestecke) mit brennenden Kerzen aufs Wasser, um die Sünden und Sorgen des letzten Jahres flussabwärts zu spülen – in diesem Jahr dürften es vornehmlich Sorgen gewesen sein. Die großen Wagen mit ihren verschwenderischen Skulpturen, die Prachtexemplare der jährlichen Umzüge, standen diesmal an den alten Stadtttoren rund um den Graben und rührten sich nicht vom Fleck.

Fast wie in der alten Normalität (Foto B. Linnhoff)

Tea Time an Halloween

Mumien-Eclairs, Gräber aus Schokoladenmousse, Scones von der Longan-Frucht (R.I.P.), Geisterplätzchen und andere furchteinflößende Desserts wurden im Nobelhotel 137 Pillar`s House zu Halloween aufgetischt. In edlem Ambiente kostete ein Set freundliche 999 Baht; jede der drei servierten Schichten offerierte großherzig tausende Kalorien. Einige süße Teile ließen wir schweren Magens einpacken: Wir waren voll.

Foto: 137 Pillar`s House

Edle Chronometer für zwei Spitzenköche

Die Sühring-Zwillinge bei der Arbeit mit Blancpain (Foto: Blancpain)

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme, schon lange werden Spitzenköche und -köchinnen von den Gourmets wie Popstars verehrt. Seit einigen Jahren begeistert das Zwillingsduo Thomas und Mathias Sühring, ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen, die Feinschmecker in Bangkok. Mit moderner deutscher Küche, mit traditionellen Rezepten, inspiriert von Kindheitserinnerungen und kombiniert mit zeitgenössischen Einflüssen aus Mitteleuropa.

So steht es auf der Website von Blancpain, der Schweizer Uhrenmanufaktur, die nun ihre Kooperation mit den Sühring-Twins verkündet hat. Weil:

Die Haute Horlogerie und die Haute Cuisine haben dieselben hohen Ansprüche: Die Qualität einer Blancpain-Uhr und die eines Gourmet-Gerichts sind von der Feinabstimmung und der gekonnten Kombination von Tradition und Kreativität abhängig. Die Uhrmacher der Manufaktur und die Küchenchefs Thomas und Mathias Sühring teilen die faszinierende Fähigkeit, eine Vielzahl von Bestandteilen und Zutaten so zusammenzufügen, dass Meisterwerke entstehen.“

Genau.

Luxus-Taxis in den Straßen der Hauptstadt

Wir bleiben beim Thema Vermarktung. Mit den sozialen medien ist die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen kürzer geworden, in Verbindung mit hartem Wettbewerb ist es für alle Branchen nötig, ständig neue Ideen zu entwickeln. Die Gäste der Oakwood Suites in Bangkok werden künftig von einem Premium Cabb Taxi Service profitieren, der es ihnen erlaubt, in luxuriösem Stil im Stau zu stehen. Folgerichtig sind die blauen Karossen mit USB-Lader und WiFi ausgerüstet.

Dinner-Kreuzfahrten auf dem Fluss Chao Praya zählen zu den schöneren Erlebnissen in der Hauptstadt. Es gibt schon einige eingeführte Anbieter, nun hat das Hotel Marriott Marquis Queen’s Park das Angebot um eine neue Dimension erweitert: Eine 58,5 Meter lange Replica eines Dreimasters der Königlich-Thailändischen Marine aus der Ära des Königs Rama V (1868-1910). Auf dem Schiff können bis zu 300 Personen speisen.

Foto: Hotel Marriott Marquis Queen’s Park

Wir fuhren zu einem Lavendelfeld und fanden Astern

Foto B. Linnhoff

Markenbildung ist in der Wirtschaft unerlässlich, das Brand-Zeichen für Konsumenten wichtig. „Ihr müsst mal nach Mae Rim fahren, da gibt es wunderschöne Lavendelfelder“, riet uns ein Freund. Also fuhren wir vor die Tore Chiang Mais, schossen ein paar Fotos und posteten Lavendel auf Facebook. „Wenn das Lavendel ist, bin ich King Kong“, kommentierte ein User. Ich konnte ihn beruhigen: Er ist kein Gorilla. Denn bei Überprüfung stellte sich heraus, dass es sich bei den prächtigen Blumen um Herbstastern handelte.

Seither bewegt mich die Frage: Wäre ich mit mit Toey und Pim auch nach Mae Rim gefahren, wenn der Freund gesagt hätte: „Ihr müsst da mal hin, da gibt es tolle Astern-Felder?“

Drei Weltfußballer hatten Geburtstag

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Fritz Walter, Diego Maradona und Pelé. Ich habe es immer für vergebliche Liebesmüh` gehalten, Fußballer unterschiedlicher Generationen miteinander zu vergleichen. Fritz Walter habe ich nur im Fernsehen spielen sehen, Pelè leider ebenso – immerhin hatte ich das Glück, den Brasilianer persönlich zu treffen.

Maradona sah ich mehrfach live; vielen gilt er eher noch als Pelé als bester Fußballer aller Zeiten. Was beide verbindet ist, dass sie gejagt wurden wie waidwundes Wild. Dazu veröffentlichte Pelè in den Tagen rund um seinen 80. Geburtstag ein aussagekräftiges Video. Von der FIFA gab es zum runden Geburtstag eine gelungene Video-Hommage.

Mein Freund und Kollege Oliver Wurm ist mit Maradona aufgewachsen, daher ist Diego nun sein Gott. Und nur deshalb hat Oliver, Medienmacher aus Leidenschaft, ein spezielles Heft zum 60. Geburtstag des Argentiniers publiziert: „Felicidades, Diego“. In Deutschland liegt es am 5. November am Kiosk – wer das nicht abwarten will, kann es unter www.fussballgold.de online bestellen. Das 120 Seiten starke Magazin mit vielen selten veröffentlichten Bildern und Anekdoten kostet, wie es sich für den besten Zehner aller Zeiten gehört, zehn Euro (online bestellt 10 Euro plus Versandkosten). Ein Teil der Erlöse fließt in Olivers Fußballjugendprojekt in Tansania.

Der „Alte Fritz“ – eine andere Generation

Fritz Walter hätte in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert. In den Medien gab es viele Würdigungen, zwei davon gefielen mir besonders, weil sie auch ein Stück Zeitgeschichte beleuchten:

„Manchmal habe ich mir Fritz Walter als Vater erträumt“, heißt die Story von Oliver Fritsch in der ZEIT.

Der Alte Fritz“, das großartige Stück von Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung, verbirgt sich leider hinter der Bezahlschranke.

Bemerkenswert, wie der 1. FC Kaiserslautern seinen größten Sohn auf Facebook würdigt:

„Unsere größte Vereinslegende feiert heute 100. Geburtstag – und im Herzen haben wir Dich immer dabei, lieber Fritz. Wer sich ein Stückchen Fritz Walter nach Hause holen möchte, kann ab sofort in unseren FCK-Fanshops die exklusiven Fritz-Walter-Jubiläums-Artikel durchstöbern – und sich selbst oder anderen Betze-Fans eine Freude machen: shop.fck.de oder in unseren Fanshops vor Ort!“

Wundert sich da noch jemand, dass der Verein sportlich und wirtschaftlich am Ende ist? Heruntergewirtschaftet von Leuten, die Fans nur noch als Kunden wahrnehmen und nicht die geringste Ahnung haben von der Seele der Anhänger und der Identität des Klubs?

Worte zum Sonntag – von Loriot und Borat

Zum Abschluss: Thailands politische Situation findet hier und heute keinen Platz, zumal sie von Loriot schon vor langer Zeit präzise skizziert wurde:

„Politik bedeutet, und davon sollte man ausgehen; das ist, ohne darum herum zu reden, in Anbetracht der Situation in der wir uns befinden!“

Kein Wort ist überflüssig und jedes treffend, wenn der Komödiant Sacha Baron Cohen alias Borat auf Facebook die Welt in ihrem aktuellen Zustand beschreibt. Quintessenz: Mit jedem Wort und mit jeder Handlung entscheiden wir, in welcher Welt wir leben wollen.