Wichtige Nachrichten gehen derzeit unter, weil das Coronavirus alle Medien dominiert. Wer hat schon mitbekommen, dass sich US-Präsident Trump sein Toilettenpapier jetzt faxen lässt? Ferner blieb fast unbeachtet, dass der Ski-Weltverband FIS seinen für Mai 2020 geplanten Kongress abgesagt hat. Der sollte in Pattaya stattfinden, Thailands Sündenbabel. Eine exzellente Wahl. Im Seebad Pattaya hat es seit Beginn der Aufzeichnungen nicht geschneit. Vorher auch nicht.

Bleiben wir bei den schönen Themen. Reiseveranstalter Gebeco verweist in seinem Kulturspiegel auf eine sensationelle Liste von virtuellen Museen in aller Welt – von Museen also, die jeder im Internet besuchen kann.

Bei den Buchtipps gefällt mir vor allem der Hinweis auf Jan-Philipp Sendker: „Das Gedächtnis des Herzens“. Wie seine früheren Werke spielt auch dieses in Mynmar, im ehemaligen Burma. Der ehemalige stern-Reporter Sendker ist ein intimer Kenner der burmesischen Mentalität und ein großartiger Erzähler, wie ich aus eigener Leseerfahrung weiß. „Herzensstimmen“ (Foto) ist eines der Bücher, das ich von ihm gelesen habe.  

Traurig: Bill Withers ist gestorben. Ich habe seine Lieder sehr gemocht. „Lean on me“, eine Ode an die Kraft der Freundschaft, wurde bei der Amtseinführung der US-Präsidenten Clinton und Obama gespielt. In seinem Nachruf in der SZ würdigt Alexander Gorkow einen wunderbaren Musikanten und einen besonderen Menschen.

Corona – das dauert noch

In dieser Zeit geht es uns allen vermutlich ähnlich, unabhängig vom Standort: Es ist ein seltsames Gefühl, rein sachlich zur Thematik Corona überhaupt nichts beitragen zu können. Wir sind, wie die Regierenden in Deutschland oder Thailand, auf Virologen und Epidemiologen angewiesen, Wissenschaftler also.

Die widersprechen einander jedoch so oft, dass wir noch unsicherer werden. Wer von den Experten richtig liegt, wird sich erst nach dem Ende des Alptraums zeigen. Doch auch das Ende ist völlig offen. Wir merken gerade, wie sehr wir doch Perspektive brauchen; Ansagen und Termine, auf die wir uns einstellen können.

Unverändert dicke Luft in Chiang Mai

Heute Morgen wurden im Zentrum Chiang Mais, 200 m von unser Wohnung entfernt, über 300 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter gemessen – zur Erinnerung: Grenzwert der WHO: 25, Grenzwert Thailand: 50. Wenn ich morgens wach werde, habe ich in zweierlei Hinsicht die Nase voll. Der Dreck bleibt nicht außen vor.

Sanitsuda Ekachai ist eine mehrfach ausgezeichnete Journalistin, die ich seit Jahren für ihr Engagement und ihre Furchtlosigkeit bewundere. Thailand geht mit dem Recht auf freie Rede und freies Schreiben anders um als Deutschland. Khun Sanitsuda widmet sich Themen wie Menschenrechte, Buddhismus (und da vor allem den Fehlleistungen des buddhistischen Klerus) sowie Naturschutz – ausnahmslos Themen, die schnell zu Minenfeldern werden können.

In der Bangkok Post ging sie dieser Tage ausführlich auf den massiven Smog ein, der im Norden des Landes und damit auch in Chiang Mai alljährlich die Gesundheit von sechs Millionen Menschen gefährdet. Sie beginnt so: The city of Chiang Mai last week became like a „gas chamber“. Eine Gaskammer – nun hat jeder eine Vorstellung von dem, was wir hier einatmen. 

Nr. 1 bei den Städten mit der größten Luftverschmutzung der Welt: Chiang Mai (Foto: Olaf Kujawa)

Toey und mir geht es unverändert gut in der Quarantäne, die in Thailand seit Freitag um eine absolute Ausgangssperre von 22.00 bis 4.00 angereichert wurde. Uns muss zur Isolation keiner zwingen, die Luft draußen ist vermutlich gefährlicher als das Virus. Zu weiteren Risiken und Nebenwirkungen der Quarantäne fragen Sie bitte meine Frau oder die Waage. Heute: Huhn an Salat. Jetzt kocht Toey jeden Tag, und sie kocht gut. Es kann nicht mehr lange dauern, dann sieht man es mir an. Dann koche ich.