„Doch es wird kein Elefant verhungern“

Foto: Klaus Hoeltzenbein

Frage: Viele Elefanten sind nun wieder bei ihren Besitzern. Auch die haben keine Einnahmen. Leiden die Elefanten Not?

Bodo Förster: Von den Elefanten in Privatbesitz sind derzeit etwa neunzig Prozent bei ihren Eignern. Die Situation der Tiere ist nicht so schlecht, die meisten dürften in diesen Wochen im Wald stehen. Es wird kein Elefant verhungern. Die Karen achten auf ihre Tiere und kümmern sich. Wirklich schwierig ist die Lage der großen Camps wie Mae Sa mit bis zu 80 Elefanten. Die müssen komplett aus eigenem Bestand gefüttert werden. Die Camps haben zwar selbst auch Gras und Mais angebaut, aber es fehlt das Geld, um Futter zuzukaufen.

Mae Sa Elephant Camp nahe Chiang Mai (Foto: B. Linnhoff)

Frage: Gibt es konzertierte Aktionen zum Wohl der Elefanten im Norden Thailands?

BF: Es laufen unkoordiniert einige private Kampagnen auf Crowdfunding-Plattformen. Wir konzentrieren uns auf unsere eigenen Aktionen. Im Netz gibt es die verschiedensten Spendenaufrufe, in Ausnahmen sogar von Camps, die gar nicht mehr existieren. Deshalb mein Rat an alle, die den Elefanten in unserer Region mit Spenden Gutes tun wollen: Achtet auf Transparenz. Das ist nicht einfach von Europa aus. Schreibt erst einmal eine Mail an die Empfänger und seht, ob ihr eine Antwort bekommt. Am besten wendet ihr euch an die Thai Elephant Alliance, um zu erfahren, welche Aktionen seriös sind. Die Organisation wird von meinem Freund Theerapat Trungprakan (Pat) geleitet, sie arbeitet eng mit der Chiang Mai University zusammen und leistet großartige Arbeit.

Phu Henry auf Abwegen (Foto: EST)

Frage: Wird die Corona-Phase Auswirkungen auf den Elefantentourismus haben?

BF: Zumindest für die nächsten fünf Jahre wird sich der Tourismus allgemein gravierend verändern. Ich glaube, dass es den bisherigen Massentourismus vorerst nicht mehr geben wird. Die Flüge werden teurer werden, sodass sich weniger Menschen das Reisen leisten können, vor allem die Reisen in ferne Länder. Mit unserem Konzept „ein Gast, ein Elefant“ waren wir immer schon im oberen Preissegment angesiedelt. Vielleicht profitieren wir künftig davon, dass die Preise für Elefanten – Leasing oder Kauf – zuletzt stark gefallen sind, nachdem sie zuvor wegen der starken Nachfrage förmlich explodiert waren.

Frage: Die Eigner des Mae Sa Camps in Mae Rim haben bereits angekündigt, nach dem Neustart keine Shows und kein Reiten mehr anzubieten. Wird diese Ansicht Allgemeingut werden?

BF: Ich fürchte, dass die meisten Camps nach einer langen Phase ohne Einnahmen noch abhängiger von den Wünschen der Touristen sind als vorher. Wenn die Chinesen nach Thailand zurückkommen und unbedingt im Korb auf den Elefanten reiten wollen, dann werden sie dafür Anbieter finden. Denn wenn wieder so etwas eintritt wie Normalität, geht es für viele Camps erst einmal um die nackte Existenz.

Foto: EST

Frage: Wird Elephant Special Tours weiterhin das Reiten von Elefanten im Programm haben?

BF: An meiner Überzeugung hat sich nichts geändert: Wir haben immer seriöse, anständige Arbeit geleistet und sind durch die enorme Unterstützung unserer Gäste und Freunde in dieser Überzeugung bestärkt worden. Sie wissen, dass wir alles tun, um den Bedürfnissen unserer Tiere gerecht zu werden. Das Reiten ist nach wie vor die beste Möglichkeit, eine enge Verbindung zwischen Tourist und Elefant herzudstellen. Unter der Voraussetzung, dass die Tiere vernünftige Arbeitszeiten, die notwendigen Pausen und ausreichend gutes Futter garantiert bekommen. Ich trage die Verantwortung für unsere Elefanten, und ich weiß, was das heißt.

Frage: Welche Rolle werden die Tierschützer in einer mögichen „neuen Normalität“ spielen?

BF: Sie werden weiterhin wichtig sein. Aber ich hoffe, dass einige Organisationen von ihren überzogenen Forderungen ablassen, denn damit erreichen sie nichts. PETA hat jetzt vom thailändischen Staat gefordert, für die arbeitslosen Elefanten Geld in die Hand zu nehmen. Das sehe ich anders. Thailands Regierung hat genug damit zu tun, dass Millionen Menschen im Land während und nach Corona unterstützt werden, in ihre Jobs zurückkehren und Geld verdienen können. Um den domestizierten Elefanten ein Leben adäquat zu ihren Bedürfnissen zu bieten, bleibt der Tourismus die einzig angemessene Antwort. Alles andere, auch Unterstützung vom Staat, stempelt uns zu Bettlern ab.

Bodo Förster, Interview (1): Unseren Elefanten geht es gut
Foto: EST