„Der Dank gilt allen Spendern!“

Phu Henry (Foto: Elephant Special Tours)

Frage: Corona hat in Thailand nicht nur viele Menschen den Job gekostet, sondern auch die Elefanten im Tourismus. Da jedes Tier bis zu 250 Kilogramm am Tag frisst, stehen ihre Halter oder Besitzer schnell vor wirtschaftlichen Problemen. Wie geht es euren Elefanten in diesen Tagen und wie eurem Unternehmen Elephant Special Tours?

Bodo Förster: Unseren Tieren geht es gut. Zum 13. März, dem thailändischen Elefantentag, hat mein Sohn Roger aus dem Camp in Mae Sapok ein Video gepostet, in dem er unsere Gäste und Freunde um Spenden bat. Das Echo hat uns überwältigt. Vom Geld, das auf den Konten von Tong Bai e. V. (Deutschland) und der Tong Bai Foundation (Thailand) eingingen, haben wir sofort drei Tonnen Heu gekauft. Im Namen von Mae Gaeo II, Yala, Mae Boonsin, Mae Boontong, Mo Pado und den Babys Phu Sinan und Phu Henry danke ich allen Spendern für ihre unglaubliche Großzügigkeit – sie hat uns sehr bewegt. Der Betrieb unseres Unternehmens ist bis Ende Oktober gesichert!

Frage: Ende Februar bist du nach Deutschland geflogen, um – auf Wunsch der thailändischen Regierung – an der ITB in Berlin an der Diskussion über Elefanten im Tourismus teilzunehmen. Wann hast du erfahren, dass die ITB abgesagt wurde?

Roger Förster mit Söhnchen Noah (Foto: EST)

BF: Bei der Landung am 29. Februar in Frankfurt wusste ich bereits von der Absage. Seither sitze ich in Deutschland fest. Ich bin in Bonn bei meiner Familie und versuche, alle Vorgaben einzuhalten und mir das Virus nicht einzufangen. Selbst meine Mutter in Thüringen habe ich in der ganzen Zeit nicht besucht. Für den 30. April hatte ich den Rückflug gebucht, den kann ich natürlich knicken. In Mae Sapok hält Roger mit Lebensgefährtin Nadja und Baby Noah seit Wochen die Stellung. Das ist nicht einfach, aber er macht das sehr gut.

Nadja und Noah mit Mo Pado (Foto: EST)

Frage: Wann war dir klar, dass die Situation rund um Corona eskalieren könnte?

BF: Nach einer sehr gut gebuchten Hochsaison, auch als Folge der Veröffentlichung meiner Autobiografie („Ein Leben für die Elefanten“), ging im März innerhalb weniger Tage alles auf Null. Mir war klar, dass es mit dem Reisen bald vorbei sein würde. So mussten wir Plan B entwickeln. Dazu zählte leider auch, dass alle Elefanten, die uns nicht gehörten, Ende März nach Hause gingen, zu ihren Besitzern in Huay Pakoot. Mit der Maßgabe, dass sie am 1. Juni zurückkommen und wieder arbeiten können – aber danach sieht es nicht aus.

Frage: Was bedeutete Plan B für deine Mitarbeiter?

BF: Wir beschäftigen nach wie vor acht Mitarbeiter Vollzeit, sechs Mahuts und zwei weitere, die unmittelbar mit unseren Elefanten zu tun haben. Die Tiere müssen optimal betreut werden und dürfen nicht unter der Situation leiden. Acht weitere Angestellte sind in Kurzarbeit. Alle Mitarbeiter, die nicht unmittelbar zur Aufrechterhaltung des Betriebes benötigt wurden, mussten wir entlassen. Für die beiden Häuser, die wir für unsere Praktikanten gemietet haben, wurde uns die Miete gestundet. Thailands Regierung stundete betroffenen Unternehmen die Sozialabgaben. Alle unsere sozialen Projekte, darunter acht Schulprojekte in unserem Bezirk, haben wir gestoppt. So haben wir haben unsere Kosten auf ein Minimum reduziert.

Frage: Mit Gästen aus eurer Kernzielgruppe – Deutschland, Österreich, Schweiz – ist vorerst nicht zu rechnen. Gibt es eine Chance, auf den thailändischen Markt Kunden zu gewinnen?

BF: Wir hatten mittelfristig vor, mit thailändischen Schulen zu kooperieren, aber das muss ja vorbereitet werden. Unabhängig davon sind Thailands Schulen gerade geschlossen, auch nach der Wiedereröffnung haben die vermutlich andere Sorgen als eine Kooperation mit uns. Jede Prognose, jeder Plan für die nahe Zukunft ist gerade Kaffeesatzleserei.

Frage: Du hast schon viele Rückschläge erlebt in Thailand. Sars, Tsunami, politische Unruhen mit Schließung der Flughäfen in Bangkok etc. Ist dies die schlimmste Sutaion in der Geschichte des Unternehmens?

BF: Ja und nein. Es ist die schlimmste Situation, weil die Zukunft unklar, die Unsicherheit komplett und deshalb kein Fahrplan möglich ist. Derzeit rechne ich nicht damit, dass in diesem Jahr noch Gäste aus Deutschland oder den Nachbarländern zu uns kommen. Da droht eventuell im Dezember Zahlungsunfähigkeit. Andererseits haben wir jetzt erstmals, eine gesicherte Grundstruktur. Wir fangen, wann auch immer, nicht bei Null an. Uns gehören fünf Elefanten plus zwei Babys, auf die wir bauen können, und wir haben ein eigenes Hauptquartier. Am Spendenaufkommen haben wir gesehen, dass uns unsere Gäste schätzen. Vorerst ist Kreativität gefragt. So haben wir bei Ebay einen handgeschnitzten Elefantenkorb versteigert. Derzeit bieten wir das Buchen von Gutscheinen an, die innerhalb der nächsten zwei Jahre eingelöst werden können. So kommt wenigstens ein bisschen Geld rein.

Folgt Interview Teil 2: Der Elefantentourismus wird sich verändern