Diskreter Luxus im Palmenhain

Foto: privat

Nur dem im Überfluss Geborenen steht der Luxus gut. Wer sich ein Vermögen verdient hat, weiß fast nie, wie er davon leben soll.

Gustave Flaubert

Ich wurde weder im Überfluss geboren, noch hatte ich mir ein Vermögen verdient. Aber an diesem Tag im Mai 1998 landete ich genau dort: im Überfluss. Ob mir der Luxus trotz mangelnder Qualifikation gut stand, wollte ich nicht gleich am ersten Tag entscheiden. Wichtiger war, das Da-Sein vom ersten Moment an zu genießen. Was nicht weiter schwerfiel im Amanpuri, einem „Ort des Friedens“, wie die Übersetzung aus dem Sanskrit lautet.

Eine Woche sollte ich an der Westküste Phukets verbringen, als Mitglied der Reisegruppe Bayer 04 Leverkusen und zum Abschluss eines Thailandtrips, der mit zwei Freundschaftsspielen des Bundesligateams begonnen hatte. Danach flogen die Spieler heim; sportliche Leitung, Edelfans und ein paar Medienvertreter blieben im Land und waren nur noch zum Vergnügen dort.

Im Amanpuri befanden wir uns in bester Gesellschaft. Boris Becker hatte es sich dort gutgehen lassen, Harrison Ford auch und andere Prominente. Nun also wir.

Die Rezeption (Foto: Amanpuri)

Das Auge ist mein verführbarster Sinn, daher erschien mir schon die Rezeption perfekt gelungen, von außen wie von innen. In der weitläufigen Anlage ging niemand zu Fuß, und so wurde auch ich mit einem Golfwägelchen zu meinem Pavillon gefahren.

Foto: Amanpuri

Es war einer von vieren, um einen angenehm geräumigen Pool herum gruppiert und eingerichtet mit edlen Hölzern und südostasiatischer Kunst. Bayer-Mediensprecher Uli Dost und Schiedsrichterbetreuer Matthes Valentin waren meine Nachbarn, nur das vierte Haus schien unbewohnt, davor stand ein silbergrauer Mercedes SLK. Später erfuhren wir, dass ein japanischer Unternehmer die Unterkunft für ein ganzes Jahr gemietet hatte und manchmal auch nutzte.

Der Pavillon von innen (Foto: Amanpuri)

Kaum in meinem Pavilion angekommen, bestellte ich per Telefon ein paar Kostbarkeiten für den knurrenden Magen. Die kamen auch bald auf Rädern, ehe ich merkte, dass ich mich in den Gepflogenheiten des Resorts nicht auskannte. Denn da standen zwei dienstbare Geister vor mir, beide 18 Jahre jung, Wan hieß das Mädchen und A der Junge. Sie wirkten bedrückt. „Khun Ben“, sagten sie – der Name Bernd kommt keinem Thai unfallfrei über die Lippen -, „wenn Sie etwas wünschen, sagen Sie es uns bitte. Der Rest ist unser Job, und den möchten wir gerne behalten.“ „Selbstverständlich“, sagte ich und musste mich dennoch erst daran gewöhnen, dass da permanent zwei Menschen in der Nähe waren, die mir jeden Wunsch von den Augen und den Lippen ablesen sollten.

Angekommen (Foto: Privat)

Architektur, die die Seele berührt

40 Pavillons und 44 Villen verteilen sich im Amanpuri auf großzügige 24 Hektar – zu jeder Villa gehören separate Wohn- und Esszimmer, eine Küche, bis zu neun Schlafzimmer und ein eigener Swimmingpool. Der Architekt einer Hotelanlage schafft im besten Fall Räume, die unsere Seele berühren. Edward Tuttle hieß der Mann, der das Amanpuri konzipierte; der Amerikaner ließ sich dabei vom Prinzip Balance inspirieren und von der traditionellen Tempelbauweise in Thailands alter Hauptstadt Ayutthaya.

Das Prinzip Balance (Foto: Amanpuri)

„Angesichts der Überfülle will der Mensch heute emotional und geschmacklich geführt werden“, behauptet Designer Wolfgang Joop. Am liebsten natürlich dezent, unaufdringlich und ohne Effekthascherei. So wie im Amanpuri, das 1988 eröffnet wurde, vergleichsweise bescheidene vier Millionen US-Dollar kostete und das allererste Hotel der Aman-Kette wurde. Initiator war der Indonesier Adrian Willem Ban Kwie Lauw-Zecha, der zur Zeit unseres Besuches, zehn Jahre nach dem Start, immer noch Eigentümer war.

Adrian Zecha in den Neunzigern

Es gab manche Auszeichnung für die Anlage; aus Marketingsicht trug ein Aspekt ganz besonders zum Erfolg des Resorts bei: Immer wieder mal wurde es unter die Top 10 der besten Flitterwochen-Hotels weltweit gewählt.

Hideaway (Foto B. Linnhoff)

Denn es ist weder Luxus noch Staus, der die Schönen, die Vermögenden und die Verliebten an diesen Flecken zieht – es ist das Versprechen absoluter Diskretion, das Versprechen eines Hideaways auf Zeit.

Hauptpool und Rezeption (Foto Amanpuri)

Meine frischgebackene Freundin Tuk reiste aus Bangkok an und genoos erst einmal den Süßwasser-Hauptpool nahe der Rezeption, 27 Meter lang und ausgelegt mit mitternachtsblauen Fliesen. Auch an Land machte Tuk eine gute Figur.

Ausflug in die Andamanensee

Ich kenne mich aus: Backbord links, Steuerbord rechts (Foto: Privat)

Ein kurzes Nickerchen des Kapitäns reichte mir, um beherzt ein großes Rad zu drehen – das Steuer unserer Dschunke. Dennoch blieben wir auf Kurs und erreichten eine kleine Insel, eine Sandbank eher, auf der uns ein üppiges thailändisches Büffet erwartete. „Lieber `n bissken mehr, aber dafür wat Jutet“, sagt der Berliner.

Foto B. Linnhoff

Am Pansea Beach

Foto: Travellermade

Unterm Strich erlebte ich im Amanpuri, im mitternachtsblauen Pool, am Pansea-Strand und abends in den Sterne-Restaurants (Thai und Italienische Küche) eine Woche zum Vergessen. Anstrengungslos vergaß ich Alltag, Deadlines, Kontoauszüge. Abgeschirmt von der Realität fällt das Leben im Hier und Jetzt deutlich leichter.

Hasch mich im Südchinesischen Meer (Foto B. Linnhoff)

Damals dachte ich noch nicht daran, einmal nach Thailand überzusiedeln. Aber auch die Tage in Chiang Mai und auf Phuket 1998 lenkten mich in die Richtung, weil sie mir einmal mehr die fast schmerzhafte Schönheit des Landes vor Augen führten. Für viele mag objektive Schönheit lagweilig sein – für meine Sinne nicht.

Foto B. Linnhoff

Update: Das Amanpuri heute

Schon vor der Eröffnung des Resorts 1988 glaubten Tourismusexperten, ein ausschließlich auf Reiche zugeschnittenes Konzept würde zum direkten Weg in die Pleite. Heute ist die Aman-Kette mit 39 Hochburgen des diskreten Luxus in der ganzen Welt vertreten.

Der Russe Wladislaw Doronin (Foto) wird gerne als die Hollywood-Version von Wladimir Putin bezeichnet oder auch als „mächtigster Geschäftsmann der Welt“ (World Finance Magazine). Zu Beginn der Neunzigerjahre gastierte Doronin im Amanpuri und war von der Schönheit des Ortes und der Architektur tief beeindruckt. 2014 erwarb er die Aman-Kette von Adrian Zecha und führt sie seither.

Adrian Zecha (86) konzentriert sich heute auf sein Nobelhotel Azerai in Luang Prabang/Laos.

Architekt Ed Shuttle verstarb am 23. Juni 2020 im Alter von 75 Jahren.

Während der Coronakrise blieb das Amanpuri geschlossen; seit dem 1. Juli 2020 begrüßt es wieder neue Gäste.

Review in Bangkok Post: A Sense of Peace

Folgt: Thailand erleben (9): Die German All Stars Bangkok